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Das Astrid Lindgren Kochbuch – Rezension

Sie gilt als wenig abwechslungsreich und sehr fischlastig. Köttbullar (Fleischklößchen oder Frikadellen) oder Graved Lachs sind die schwedischen Gerichte, die auch den deutschen Genießern nicht zuletzt durch ein großes Möbelhaus bekannt geworden sind. Die schwedische Küche erfreut sich nicht gerade großer Beliebtheit, schwedische Restaurants gibt es in Deutschland so gut wie gar nicht. Dabei hat die Küche des beliebten skandinavischen Urlaubslandes sehr viel mehr zu bieten, als auf den ersten Blick erkennbar wäre. Wer ein bisschen mehr wissen möchte, für den ist das Buch „Das Astrid Lindgren Kochbuch“ von Mamke Schrag und Andreas Wagener ein guter Einstieg.

Das Besondere an diesem sehr hübsch illustrierten Kochbuch ist, dass es sich an der Küche orientiert, die die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren in ihren Büchern so anschaulich beschrieben hat, dass schon beim Lesen das Wasser im Munde zusammenläuft. Wer erinnert sich nicht an die festlichen Tafeln mit allem was die Speisekammer hergab, die Michels Mutter auftischte, die Fischklößchen von Bosse auf Saltkrokan oder die Zimtkringel, die zu den Lieblingsspeisen des Karlsson vom Dach gehören? Auch die Pfefferkuchen von Pippi Langstrumpf haben es zu legendärer Berühmtheit gebracht.

Die beiden Autoren haben sich auf die Suche gemacht und auf 104 Seiten mehr als 80 Rezepte, die Astrid Lindgren erwähnt hat, zusammengestellt. Geordnet sind sie nach den Büchern. So enthält das Buch es sieben Kapitel mit Überschriften wie „Festschmaus auf Katthult“, „Picknick in Bullerbü“ oder „Zu Gast in der Villa Kunterbunt“ mit Zitaten und Illustrationen aus den Kinderbüchern. Genaue Rezeptangaben mit einer ausführlichen Anleitung helfen beim Nachkochen. Neben zahlreichen Fischrezepten vor allem für die Nationalspeise Hering werden die vielen Wurstsorten eingehend beschrieben. Ein großer Teil der Rezepte beschäftigt sich mit den Süßspeisen wie Käsekuchen und anderem in Schweden so beliebtem Gebäck. Zubereitungen aus Früchten von der Kirsche bis zu den Waldfrüchten wie Kronsbeeren und Blaubeeren runden die Rezeptsammlung ab. Die vorgestellten Möglichkeiten, Lebensmittel haltbar zu machen, sind dabei sehr informativ. Ein größerer Teil widmet sich der schwedischen Küche im Allgemeinen.

Das Astrid Lindgren Kochbuch

Das Astrid Lindgren Kochbuch

Das Kochbuch ist nicht immer unbedingt alltagstauglich. Viele Zutaten wird der Koch in deutschen Geschäften nicht oder nur schwer bekommen können. Es ist zu merken, dass die Rezepte aus einer Zeit stammen, in der Schweinehals oder Lab noch problemlos beim Fleischer um die Ecke oder in einer Käserei zu kaufen waren. Alle Gerichte lassen sich deshalb nicht nachkochen. Die Gewürze sind zum Teil recht ungewöhnlich und entsprechen nicht immer dem deutschen Geschmack. Bei den Zubereitungszeiten ist etwas Vorsicht geboten, in zwei Stunden beispielsweise eine richtige Rinderbrühe herzustellen, dürfte unmöglich sein. Das Buchformat und das verwendete Papier sind nicht praxistauglich. Die Seiten werden sehr schnell fleckig und lassen sich nicht mehr reinigen.

Trotz dieser Mängel ist das „Astrid Lindgren Kochbuch“ eine echte Bereicherung für die Küchenbibliothek. Vor allem Familien mit Kindern und junggebliebene Erwachsene werden an den vorgestellten Rezepten ihre Freude haben und in Erinnerungen schwelgen. Vor allem zur Weihnachtszeit bieten sich die wunderbaren Backrezepte zum Nachmachen an. Und Liebhaber von Käsekuchen in jeglicher Form werden in jedem Fall auf ihre Kosten kommen.

„Das Astrid Lindgren Kochbuch“ von Mamke Schrag und Andreas Wagener ist 2008 im Oetinger Verlag erschienen.

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